Freelance-Market-News 08/2026

Liebe Leser,
aktuelle Veröffentlichungen wie der Jimdo‑ifo‑Geschäftsklimaindex und der Konjunkturmonitor 2026 zeigen: Umsätze und Gewinne bleiben bei einem großen Teil der Selbstständigen weitgehend stabil, gleichzeitig bricht das Vertrauen in die Wirtschaftspolitik dramatisch ein. Parallel dazu verweist der Selbstständigen‑Report 2026 auf wachsende Frustration über Bürokratie, hohe Abgaben und fehlende Planungssicherheit. Viele Solo‑Unternehmer haben zunehmend den Eindruck, dass ihre Anliegen in der Gesetzgebung höchstens als Randnotiz vorkommen.
Dieses Spannungsfeld spiegelt sich auch in den Themen dieser Newsletter‑Ausgabe wider. Wir zeigen, wo die größten politischen Baustellen aus Sicht der Selbstständigen liegen – von fairen Sozialversicherungsbeiträgen über planbare Energiepreise bis hin zur überfälligen Digitalisierung der Verwaltung.
Gleichzeitig blicken wir auf ganz konkrete Hebel, die Sie als Freiberufler nutzen können, um Ihr Geschäft krisenfest zu machen: Dazu gehört etwa das Förderprogramm KOMPASS, das mit Zuschüssen von bis zu 90 Prozent große Weiterbildungen fast vollständig finanzieren kann, auch wenn die hohe Nachfrage 2026 zu Engpässen bei der Vergabe der Qualifizierungsschecks führt.
Ganz praxisnah wird es in zwei weiteren Beiträgen: Der Gastartikel von Thomas Geiling widmet sich der Frage, wann Meetings wirklich sinnvoll sind – und wann sie zum reinen Zeitdiebstahl werden. Klare Agenda, gute Vorbereitung und ein Ende vor der Zwei‑Stunden‑Marke sind dabei zentrale Bausteine, um Besprechungen wieder zu produktiven Werkzeugen zu machen statt zu Ärgernissen im Kalender.
Gleichzeitig stellen wir eine technische Neuerung bei Freelance-Market vor, die auch bei sehr speziellen Suchbegriffen noch passende Freelancer findet und nicht zuletzt kommen auch unsere Dienstleister selbst zu Wort: In dieser Ausgabe stellt sich eine Polnisch‑Deutsch‑Übersetzerin vor, die Windenergie‑Projekte eines österreichischen Unternehmens in Polen sprachlich begleitet.
Abgerundet werden diese News wie immer mit unserem “Freelance‑Market‑Witz des Monats“, der mit einem Augenzwinkern an die Arbeitsmoral mancher Behörden erinnert.
Ich wünsche Ihnen auch diesmal viel Vergnügen beim Lesen und natürlich wie immer gute Geschäfte!
Ihr Rainer Kurz
Freiberufler und Selbstständige mit der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung sehr unzufrieden
Mehrere aktuelle Studien zeigen: Während Umsätze und Gewinne oft stabil bleiben, bricht das Vertrauen in die politischen Rahmenbedingungen dramatisch ein.
Der Jimdo‑ifo‑Geschäftsklimaindex fragt seit Anfang 2026 erstmals explizit “Schulnoten” für die Wirtschaftspolitik ab: Solo‑Selbstständige und Kleinstunternehmen bewerten die aktuelle Wirtschaftspolitik im Schnitt mit der Note 4,3, also zwischen „ausreichend“ und „mangelhaft“ – schlechter als die Gesamtwirtschaft, die auf 4,2 kommt. Besonders kritisch sehen Selbstständige die Sozial‑ und Rentenpolitik (4,7), die Energie‑ und Klimapolitik (4,5) sowie Infrastruktur‑ und Digitalisierungspolitik (4,3).
Der Konjunkturmonitor 2026 von Papierkram.de berichtet von einem auffälligen Auseinanderlaufen von Real‑ und Gefühlslage: Einerseits sind bei über 40 Prozent der Befragten Umsatz und Gewinn im Vorjahr gestiegen, andererseits verschlechtert sich die Einschätzung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage und besonders die Bewertung der Bundesregierung deutlich – nur noch rund 5,4 Prozent sind mit der wirtschaftspolitischen Arbeit zufrieden oder sehr zufrieden. Die Studie fasst das treffend zusammen: „Wirtschaftliche Lage stabil, Stimmung im freien Fall“.
Der Selbstständigen‑Report 2026 von WISO MeinBüro und VGSD zeigt ähnlich klare Signale: Zwar bewerten noch 46 Prozent der befragten Selbstständigen ihre eigene wirtschaftliche Situation als gut oder sehr gut, dennoch fühlen sich rund 90 Prozent von der Politik wenig oder gar nicht respektiert. Analog dazu melden weitere Freelancer‑Studien, dass sich über 70 Prozent der Freiberufler von der Politik nicht ausreichend unterstützt sehen – dieser Anteil ist in wenigen Jahren um rund zehn Prozentpunkte gestiegen.
Fragt man nach den dringendsten wirtschaftspolitischen Maßnahmewünschen, ist das Bild fast überall gleich: Bürokratieabbau, niedrigere Steuern und Abgaben, faire Sozialversicherungsbeiträge für Selbstständige, planbare Energiepreise und eine ernsthafte Digitalisierungsstrategie.
Besonders bedenklich ist, dass viele Befragte den Eindruck haben, dass kleine Unternehmen und Solo‑Selbstständige in der Gesetzgebung eher als Randnotiz vorkommen – obwohl sie einen Großteil der Unternehmenslandschaft stellen.
Keinen Freelancer gefunden: Freelance-Market zeigt dann auch Freelancer aus anderen Ländern an
In ca. 2 Prozent aller Suchanfragen kommt es vor, dass wir bei Freelance-Market keinen passenden Freelancer haben. So gibt es bspw. bei Freelance-Market.de keinen Freiberufler, dessen Profil den Begriff "Treuhanddienstleistung" enthält.
Durch die intensive Arbeit unseres IT-Teams konnten wir eine Lösung entwickeln bei der in einem solchen Fall auch Freelancer aus anderen Marktplätzen des Freelance-Market-Netzwerks angezeigt werden. So wird beispielsweise bei Eingabe von "Verkaufstechnik" ein Vertriebsprofi aus Zürich angezeigt, der bei unserem Partner Freelancer-Schweiz.ch gelistet ist.
Durch diese technische Lösung sind nun alle sieben nationalen Märkte der Freelance-Market-Gruppe in die Suche integriert, also von Deutschland über die Schweiz, Österreich, Tschechien bis nach Hongkong, Australien und Neuseeland.
Probieren Sie es jetzt einfach mal selbst aus und suchen Sie einmal links oben im Feld "Freelancer-Suche" nach einem passenden Spezialisten. So finden Sie beispielsweise bei der Suche nach "RPS Web" einen Webdesigner aus dem oberösterreichischen Steyr, der bei unserem Partner Freelancer-Oesterreich.at eingetragen ist.
Gastartikel von Thomas Geiling: Meetings sind oft Zeitdiebstahl
Meetings sind wichtig. Zumindest zuweilen. Oft sind sie aber die reinste Verschwendung von Zeit und Ressourcen und damit Geld. Als Organisator eines Meetings beantworten Sie im Vorfeld drei Fragen:
1. Gibt es überhaupt einen Grund?
Ein Meeting als Institution ist überflüssig. Gibt es keine Neuigkeiten, keinen Austauschbedarf, der alle angeht, dann verzichten Sie am besten darauf. Es gibt effizientere Möglichkeiten um zu überprüfen, ob alle da sind!
2. Sind Sie gut vorbereitet?
Wird ein Meeting anberaumt, sollten sich alle Beteiligten bewusst sein, dass während dieser Zeit keiner wirklich arbeitet. Sollte das Meeting auch noch schlecht vorbereitet sein, ist der Ärger unausweichlich. Zudem: Muss es wirklich immer die ganz große Runde sein?
Kein Meeting ohne Agenda und nie länger als zwei Stunden! Legen Sie am Ende die Verantwortlichkeiten fest und den Zeitrahmen bis wann die Aufgaben erledigt sein müssen. Als hilfreich hat sich erwiesen, bereits vor dem Meeting das Besprechungsprotokoll (zumindest in Grundzügen) zu verfassen. Das hilft enorm, das gesteckte Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Klingt rigoros? Bringt Sie aber weiter. Probieren Sie es aus!
3. Ist das Timing gut gewählt?
Ein Meeting um die Mittagszeit herum zu terminieren ist eher kontraproduktiv, es sei denn, es gibt etwas zu essen. Wer hungrig ist, denkt nicht über das Projekt nach, sondern darüber, ob er Stammessen eins oder zwei in der Kantine nehmen soll. Hunger ist ein Ideenkiller. Beschränken Sie sich allerdings auf leicht verdauliche Kost. Ein opulentes Mal kostet zu viel Zeit, außerdem, wenn der Körper im Verdauungsmodus ist, sind die Teilnehmer eher träge als rege!
Bis zu 90 Prozent Zuschüsse: Wegen guter Konditionen geht der KOMPASS-Weiterbildungsförderung das Geld aus
KOMPASS („Kompakte Hilfe für Solo‑Selbstständige“) wird vom Bundesarbeitsministerium und dem Europäischen Sozialfonds Plus finanziert und fördert berufliche Qualifizierungen, die die Bestandsfestigkeit und Zukunftssicherheit des Geschäftsmodells stärken. Zielgruppe sind gewerbliche und freiberufliche Solo‑Selbstständige, die seit mindestens zwei Jahren am Markt sind, maximal ein Vollzeitäquivalent an Mitarbeitenden beschäftigen und ihre Tätigkeit im Haupterwerb ausüben.
Gefördert werden Weiterbildungen mit mindestens 20 Zeitstunden, die innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen werden und überwiegend als Gruppen‑ und Live‑Formate stattfinden. Erstattet werden 90 Prozent der reinen Qualifizierungskosten bis zu einem maximalen Nettobetrag von 5.000 Euro, der Zuschuss ist auf 4.500 Euro begrenzt; Nebenkosten wie Fahrt‑ oder Übernachtungskosten sind nicht förderfähig. Innerhalb von zwölf Monaten kann pro Person nur ein Qualifizierungsscheck ausgestellt und eingelöst werden.
2026 ist das Programm zwar bis Ende der ESF‑Plus‑Periode (verlängert bis 2028) gesichert, aber die Ausgabe der Qualifizierungsschecks ist im Zeitraum von Mai bis voraussichtlich Oktober 2026 bundesweit begrenzt. Hintergrund ist eine sehr hohe Nachfrage: Die Anlaufstellen waren im Frühjahr zeitweise für neue Erstberatungen geschlossen, Wartelisten wurden gestoppt und selbst förderfähige Solo‑Selbstständige erhalten nicht in jedem Fall einen Scheck. Offiziell heißt es, dass eine zeitnahe Ausstellung „nicht in allen Fällen gewährleistet“ werden kann – wer jetzt plant, sollte diese Unsicherheit einkalkulieren und sich nur an eine Anlaufstelle wenden, um Verzögerungen zu vermeiden.
Der Zugang läuft immer über eine KOMPASS‑Anlaufstelle: Im verpflichtenden Erstberatungsgespräch wird geprüft, ob die formalen Kriterien erfüllt sind und welche Weiterbildung fachlich sinnvoll ist. Bei positivem Ergebnis stellt die Anlaufstelle einen Qualifizierungsscheck aus; erst danach darf der Kurs gebucht werden, rückwirkende Förderung bereits begonnener Maßnahmen ist ausgeschlossen. Nach Abschluss der Qualifizierung reichen Solo‑Selbstständige ihren Antrag im Förderportal Z‑EU‑S ein, die DRV Knappschaft‑Bahn‑See erstattet nach Prüfung bis zu 4.500 Euro.
Für Freiberufler bedeutet das: KOMPASS bleibt ein sehr attraktiver Weg, große Weiterbildungen fast vollständig finanzieren zu lassen, ist 2026 aber kein sicher verfügbarer Standardbaustein mehr. Sinnvoll ist es, Themen und Kursangebote früh zu definieren und Unterlagen vorzubereiten.
Artikel unserer Freiberufler: Dolmetschen für die Windenergie
Eingetragene Dienstleister können sich mit einem Artikel im Freelance-Market-Newsletter kurz vorstellen. In dieser Ausgabe stellen wir Ihnen unsere Freelancerin 7205 aus dem polnischen Lodz vor. Die Polnisch-Deutsch-Übersetzerin hat ein Studium mit Promotion in Germanistik und internationale Beziehungen.
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Die österreichische Firma Alpine-Bau ist in Polen sehr bekannt geworden, weil Alpine-Bau den Zuschlag für den Stadienbau in Warschau, Breslau und Danzig bekommen hat. Darauf folgend wurde auch Alpine Green Energa als polnische Tochtergesellschaft gegründet, um in Polen Windfarmprojekte zu entwickeln.
Seit geraumer Zeit unterstütze ich als Übersetzerin Alpine in zahlreichen Gesprächen mit Projektentwicklern, Energieversorgern, Grundstücksbesitzern und Behörden. Aufgrund meiner guten Leistungen wurde ich sogar zur Muttergesellschaft nach Wien eingeladen, um Verhandlungsgespräche am Firmensitz simultan zu dolmetschen. Der Vorstandsvorsitzende von Alpine Green Energa, Herr Trauntschnig, steht Ihnen als Referenzgeber gerne zur Verfügung.
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Freelance-Market-Witz des Monats: Arbeitsmoral bei Behörden
Eine wahre Geschichte: Neulich habe ich den Leiter des Staatsarchivs eines Bundeslandes besucht.
Ich habe mir alles angesehen und dann neugierig den Leiter gefragt, wie viele Menschen hier eigentlich arbeiten.
Seine knappe Antwort: "So etwa die Hälfte".
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